Während Presse und Politik sich den Kopf darüber zerbrechen, wie man hierzulande in Sachen Einwanderung verfahren sollte, steigt die Zahl der Deutschen, die ihrem Heimatland den Rücken kehren. Seit einigen Jahren ist die Zahl der Deutschen, die ihr Land verlassen, größer als die der Landsleute, die nach Deutschland zurückkehren. Im Jahr 2005 beispielsweise sind rund 146 000 Deutsche fortgezogen und nur rund 128.000 zurückgekehrt. Unterdessen meldete das Statistische Bundesamt, dass im Jahr 2006 so viele Deutsche wie noch nie seit 1990 ins Ausland gezogen seien. 155 000 Deutsche seien 2006 ausgewandert, sieben Prozent mehr als im Vorjahr.
Seit der Wiedervereinigung haben rund 1,8 Millionen Deutsche ihr Land verlassen. Wie bei jenen Bürgern weniger entwickelter Länder, die ungeachtet fehlender beruflicher Qualifikationen Einlass in unser Land begehren, verlocken vor allem die besseren Arbeitsmarktchancen in anderen Industrieländern viele, vor allem natürlich jüngere und beruflich qualifizierte Landsleute, Deutschland zu verlassen und anderswo einen neuen Lebensmittelpunkt zu finden. In manchen Forschungsbereichen beispielsweise wechselt ein wachsender Anteil des wissenschaftlichen Nachwuchses in die USA, nach England oder in andere europäische Länder, die bessere Arbeits- und Aufstiegschancen bieten. Mehr als die Hälfte der deutschen Migranten wandert in andere europäische Länder – vor allem nach Österreich und in die Schweiz. Kein Wunder, denn beim Wechsel in diese Länder ist keine Sprachbarriere zu überwinden. Aber auch die USA, Kanada und Australien sind das Ziel vieler deutscher Auswanderer. Dies sind Länder, die – anders als Deutschland – ihre Einwanderungspolitik sehr stark an den Erfordernissen des heimischen Arbeitsmarktes, an den gesuchten und gebotenen beruflichen Qualifikationen, orientieren. Afrika, Asien und Südamerika hingegen ziehen nur wenige deutsche Auswanderer an.
Gerhard Schmitt-Rink